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FSV – Geschäftsführer Bernd Reisig äußert sich in einem ausführlichen Interview zu den aktuellen Themen des FSV Frankfurt, zum Umbau des Stadions, der weiteren Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor sowie der sportliche Entwicklung. Foto: Hartenfelser
12.01.10
Aktuelle Fragen: Bernd Reisig gibt Antworten

FSV – Geschäftsführer äußert sich in ausführlichem Interview

fsv-frankfurt.de: Bernd Reisig, das neue Jahr begann für den FSV gut. Erst gibt HYUNDAI bekannt, dass man den Hauptsponsorvertrag verlängern möchte und dann bekennt sich die Stadt zur Fertigstellung des Stadionbaus. Wie erfreut sind Sie ?

Bernd Reisig: Wir haben uns sehr über die Aussage von HYUNDAI Motor Deutschland gefreut. Geschäftsführer Werner H. Frey hat sehr nette und lobende Worte über unsere Zusammenarbeit beim Neujahrsempfang gefunden. Wir sind ein guter und interessanter Partner für die Wirtschaft, das ist zunehmend spürbar. Unsere Imagewerte sind hervorragend. Jedes Unternehmen beobachtet und bewertet ihr Sponsoringengagement sehr genau und analysiert auch die Leistungsfähigkeit. Der FSV schneidet in diesen Auswertungen stets sehr gut ab und hat deshalb die Grundlage für diese Verlängerung der Zusammenarbeit gelegt. Wir freuen uns, wenn wir den Unternehmen das in uns gesteckte Vertrauen zurückzahlen können.

 

fsv-frankfurt.de: Und die Ankündigung von Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth muss Sie doch mindestens genauso erfreut haben ?

Bernd Reisig: Natürlich sind wir sehr froh, dass nun der letzte Bauabschnitt im Sommer dieses Jahres begonnen wird und hoffentlich in der langen Sommerpause abgeschlossen werden kann. Zwischen der Stadt und uns gab es hierzu schon immer klare Absprachen. Der Weg dahin war nicht ganz einfach, weil viele rechtliche Fragen geklärt werden müssen. Aber ich habe keine Minute daran gezweifelt, dass sowohl die Oberbürgermeisterin als auch der zuständige Stadtrat Markus Frank zu ihrem Wort stehen.

 

fsv-frankfurt.de: Es gibt aber auch heute in der Presse teilweise massive Kritik an dem Vorhaben?

Bernd Reisig: Das ist eine Mischung aus Desinformation und Stimmungsmache. Ich darf nochmal daran erinnern, dass im Frankfurter Volksbank Stadion schon längst der Umbau der Haupttribüne begonnen hätte, wenn der FSV Frankfurt nicht im Einvernehmen mit dem Stadtrat Frank verabredet hätte, dass man die im Konjunkturprogramm vorgesehenen Mittel zunächst einmal für andere Sportstätten in dieser Stadt benutzt und dann eine sinnvolle und gemeinsam abgestimmte Planung für den Bau der Haupttribüne vornimmt. Die 10,5 Millionen waren bereits im Konjunkturprogramm des letzten Jahres enthalten und wurden, verbunden mit der Zusage, dass man dieses Jahr diese Mittel im kommunalen Haushalt zur Verfügung stellt, für andere Projekte verwendet.
Man unterstellt Politikern hin und wieder, dass Sie nicht Wort halten würden. Die Stadt und ihre gewählten Vertreter haben Wort gehalten und setzen nun genau das um, was verabredet war. Hätten wir letztes Jahr die Mittel aus dem Konjunkturprogramm genommen, wären dieses Jahr die 10,5 Millionen für die Sanierung der Sportstätten verwendet worden, die durch diese Verabredung vorgezogen und sehr zur Freude der betroffenen Vereine dadurch früher als geplant fertig gestellt wurden.

 

fsv-frankfurt.de: Eine Frankfurter Tageszeitung ruft heute die Stadtverordneten dazu auf, gegen den Umbau zu stimmen. Woher kommt dieser Gegenwind?

Bernd Reisig: Sowas darf man nicht überbewerten. Die FAZ versucht seit über einem Jahr das Stadionprojekt zu verhindern und leitet scheinbar etwas darunter, dass die Stadtregierung nicht das tut, was einzelne Journalisten wünschen, sondern was für die Stadt Frankfurt richtig und wichtig ist.
Petra Roth hat damit einmal mehr deutlich gemacht, dass sie sich nicht von gedruckten Buchstaben vorschreiben lässt, was zu tun ist, sondern –aus Überzeugung handelt, was für die Stadt gut ist. Und wenn man sich die Erfolgsgeschichte ihrer Regierungszeit in Frankfurt anschaut, sieht man, dass sie es gut und richtig für Frankfurt macht. Und wenn ein Journalist meint, dass er die Belange der Stadt bestimmen könne, muss er bei der nächsten Kommunalwahl kandieren, mehr Stimmen als Roth, Frank & Co. bekommen, erst dann darf er regieren.

 

fsv-frankfurt.de: Ärgern Sie solche Presseberichte?

Bernd Reisig: Nein. Dafür bin ich schon zu lange dabei. Ganz im Gegenteil. Die mediale Vielfalt in unserer Gesellschaft ist ein wichtiger Pfeiler unserer Demokratie. Viele Skandale, Korruptionen usw. wären ohne Journalismus niemals aufgedeckt worden. Deshalb ist es gut, dass es kritischen Journalismus gibt und da muss man es auch mal verkraften, dass jemand inhaltlichen Unsinn verfasst.

 

fsv-frankfurt.de: Aber das der Innenminister den Umbau der Tribüne vorab aus dem Haushalt genehmigt, ist schon außergewöhnlich?

Bernd Reisig: Außergewöhnlich vielleicht, aber richtig. Fakt ist, ich wiederhole mich, dass diese Maßnahme bereits letztes Jahr schon genehmigt und im Konjunkturprogramm enthalten war und dass alle gemeinsam aus rein sachlichen Gründen die Maßnahme auf dieses Jahr verschoben haben. Nun haben wir durch die Fußball-Weltmeisterschaft eine sehr lange Sommerpause und können den notwendigen Umbau in diesem Sommer durchführen und sehr viel Geld sparen, wenn man genau diese Sommerpause dafür nutzt. Dadurch, dass kein Spielbetrieb in dieser Zeit stattfindet, spart man Millionen an sogenannten Improvisationskosten. Ich wundere mich sehr, wenn Politiker den immer geforderten Pragmatismus leben und dann von den Bedenkenträgern dieser Nation kritisiert werden. Diese Vorgehensweise ist sowohl recht- als auch sachlich richtig und im Interesse der Stadt.

 

fsv-frankfurt.de: Heute schreibt eine Zeitung, die Oberbürgermeisterin wäre zurück gerudert, weil sie nun von einem Umbau statt einem Neubau spreche. Wie sehen Sie das?

Bernd Reisig: Niemand rudert zurück. Man muss die Aussage in ihrer Gesamtheit sehen. Petra Roth spricht von einem Umbau, der nach der Fertigstellung die Qualität eines Neubaus haben wird. Entscheidend ist, was im Gebäude steckt und da gibt es ein zwischen uns abgestimmtes Raumprogramm, was den Vorgaben der Fußballverbände und den heute wichtigen Vermarktungsmöglichkeiten entspricht.

 

fsv-frankfurt.de: Apropos Vermarktung. Sie haben der Stadt zugesagt, dass man aus diesen Vermarktungserlösen Erträge an die Stadt zurückfließen lassen würde. Wie sieht das aus?

Bernd Reisig: Auch diese Zusage von uns ist nicht neu. Wir haben bereits im Mai letzten Jahres der Stadt einen entsprechenden Businessplan schriftlich vorgelegt. Aus den nun neu geschaffenen Vermarktungsmöglichkeiten soll die Stadt im gleichen Maße profitieren, wie sie das in der Commerzbank-Arena tut. Wir haben einen guten und fairen Vorschlag vorgelegt und gehen davon aus, dass wir einen hohen sechsstelligen Betrag jährlich an die Stadt aus diesen Erlösen ausschütten können.

 

fsv-frankfurt.de: Was ist mit der Kapazität im dann fertig gestellten Stadion?

Bernd Reisig: Wir führen seit langem intensive Gespräche mit der DFL über das Thema, die bisherige Grenze von 15.000 Zuschauern, die Voraussetzung für die Zulassung zur 2. Bundesliga ist, zu reduzieren. Wir haben der DFL hierzu schriftliche Unterlagen zur Verfügung gestellt, die deutlich machen: „Qualität statt Quantität“. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir hier bald eine entsprechende Lösung finden werden. Die DFL handelt immer im Interesse der Klubs und ist stets bemüht, mit den Klubs, den Kommunen und allen anderen Beteiligten Lösungen zu finden, die sinnvoll sind. Auch hier sitzen Menschen mit viel Pragmatismus und Gestaltungswillen. Dieses Wissen stimmt mich optimistisch.

 

fsv-frankfurt.de: Kommen wir mal zu den sportlichen Gegebenheiten. Der FSV steht auf einem Relegationsplatz. Sehen Sie das positiv?

Bernd Reisig: ja natürlich. Vor einigen Wochen hat doch der alljährliche spätherbstliche Abgesang auf den FSV stattgefunden. Wie immer waren wir bei einigen Experten schon wieder mal abgestiegen und haben uns vor der Winterpause von einem Abstiegsplatz auf einen Relegationsplatz hochgearbeitet. Das ist eine gute Tendenz. Die gilt es nun mit aller Kraft zu verteidigen.

 

fsv-frankfurt.de: Mit oder ohne Neuzugänge in der Winterpause?

Bernd Reisig: Es bleibt dabei. Unser Kader ist stark genug, um diese Herausforderung zu meistern. Sollte sich aber ein Angebot für uns ergeben, dass wir eine echte Verstärkung für den Sturm bekommen, dann werden wir unter der Voraussetzung, dass Gelder durch Spielerabgänge nochmal frei werden, reagieren. Es wird aber weder einen populistischen Aktionismus geben, noch werden wir wirtschaftlich unsere Linie verlassen. Wir wissen, was wir tun.

 

fsv-frankfurt.de: Sie waren mit der Mannschaft im Trainingslager. Wir war ihr Eindruck?

Bernd Reisig: Gut. Es wurde viel und hart trainiert, die Mannschaft stellt sich der schweren Herausforderung. Das spürt man. Und es war wichtig, dass wir verreist sind, weil die Trainingsbedingungen hier in Frankfurt definitiv nicht vorhanden sind. Wir können heute noch nicht bei uns im Stadion trainieren und haben uns deshalb entschlossen, dass die Mannschaft für zwei Tage in die Sportschule nach Schöneck bei Karlsruhe reisen kann, um sich auf den Rückrundenstart optimal vorzubereiten. Unsere Mitarbeiter arbeiten mit Hochdruck daran, die Schneemassen bis Donnerstag von den Plätzen zu bekommen, um dann wenigstens einigermaßen ordentlich trainieren zu können.

 

fsv-frankfurt.de: Sind Sie auch in Karlsruhe?

Bernd Reisig: Nein. Ich habe hier sehr viel wichtige Aufgaben. Meine Aufgabenstellung hat sich mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga sowieso stetig verlagert. Deshalb bin auch froh, dass wir mit Uwe Stöver einen Sport-Manager haben, der die Sportliche Leitung übernommen hat und einen sehr guten Job macht. Viele können seine Arbeit nicht beurteilen, ich schon. Er ist ein ruhiger und sachlicher Arbeiter, der sich im Fußball bestens auskennt und sich den wirtschaftlichen Möglichkeiten unseres Klubs unterwirft. Er ist sehr fleißig und gewissenhaft und ich bin froh, dass er bei uns ist. Seine Arbeit wird sich mehr und mehr in den nächsten Jahren auszahlen, weil er auch großen Wert auf den Nachwuchsbereich und die Nachhaltigkeit legt.

 

fsv-frankfurt.de: Wo steht der FSV am Ende der Saison?

Bernd Reisig: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir den Relegationsplatz, den wir uns gerade erkämpft haben, verteidigen können und hoffe insgeheim ein bisschen, dass es vielleicht noch zu einem Nichtabstiegsplatz reicht.

 

fsv-frankfurt.de: Aber sechs Punkte Abstand sind viel und mehr als letzte Saison zur gleichen Zeit?

Bernd Reisig: Ich habe eine etwas andere Betrachtung. In der Tat waren es damals vier Punkte´. Aber wir haben nicht die Mannschaft mit vier Punkten Abstand eingeholt, sondern den FC Ingolstadt, der acht Punkte Vorsprung auf uns hatte und den VfL Osnabrück, der sechs Punkte vor uns lag. Rechnen bringt aber wie immer nichts. Dennoch brauchen wir 38 Punkte und spielen dann mit großer Wahrscheinlichkeit auch nächstes Jahr in der 2. Liga. Und die Relegation sehe ich ebenfalls positiv. Immerhin hätte uns das vor einigen Wochen niemand zugetraut und mit einer starken Rückrunde sammelt man dann auch Kraft und Selbstbewusstsein für zwei weitere Relegationsspiele.

 

fsv-frankfurt.de: Wir danken für das ausführliche und aufschlussreiche Gespräch.


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