3. Liga


Seriensieger ganz nahe am Pokaltriumph

Vor 75 Jahren stand der FSV im Pokalfinale

FSV-Kapitän "Bubi" Armbruster (li.) beim Anstoß zum deutschen Pokalendspiel 1938.

Heute vor 75 Jahren war der FSV in aller Munde, stand im Pokalfinale gegen Rapid Wien. Der Sportverein oder „die Sportler“, wie die Einheimischen sagten, hatte das Verlieren verlernt und am 7. Mai 1938 eine Serie von 30 (!) Spielen ohne Niederlage geschafft. Das führte ihn in der Gauliga Südwest unweigerlich in die Spitzengruppe. Und im nach dem damaligen Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten benannten  „Tschammer-Pokal“ sensationell ins Endspiel. Es handelte sich um den Vorläufer des DFB-Pokals, damals wie heute fand das Finale in Berlin statt. Allerdings im Winter, alle Endrundenspiele fanden zwischen Oktober und Januar statt; der Pokalsieger 1938 wurde also erst 1939 (am 8. Januar) gekürt. Zum einzigen Mal in seiner Geschichte erreichte der FSV das Finale, von dem heute noch alle Klubs träumen. Auf seinem Weg dorthin warfen die Frankfurter Biebrich 08 (6:4), Union Niederrad (6:0), Kickers Offenbach (4:1), CSC 03 Kassel (1:0), BC Hartha (3:1), Fortuna Düsseldorf (3:1), VfB Mühlburg (3:1), die Münchner Löwen (2:1) und den Wiener SK raus. Einige Namen sagen einem heute nichts mehr, aber es waren in der Endphase durchweg Hochkaräter, die der FSV aus dem Weg räumte. BC Hartha war Sachsen-Meister, aus dem VfB Mühlburg entstand nach dem Krieg der Karlsruher SC. Durch den „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich im März 1938 wurden auch die Pokalwettbewerbe beider Länder kurzerhand vereinigt und alle Teams, die in Österreich noch im Rennen lagen, durften plötzlich mitmachen. So verwundert es nicht, dass auch in Berlin eine Wiener Elf auf den FSV wartete: Rapid! Die „Hütteldorfer“ waren der letzte Meister Österreichs gewesen und hatten das zuvor schon elf Mal geschafft. Während beim FSV kein einziger Nationalspieler zu finden war, hatte Rapid deren sieben, von denen Torwart Rudolf Raftl und die Feldspieler Franz Wagner, Stefan Skoumal und Hans Pesser im Sommer 1938 dem WM-Aufgebot von „Groß-Deutschland“ angehört hatten. Und der Name von Mittelstürmer Franz „Bimbo“ Binder hatte einen Ruf wie Donnerhall. Die Favoritenrollen waren also klar verteilt. Aber spätestens nach dem 8:3 im Mai 1938 gegen Austria Wien wussten die Bornheimer, dass auch Österreichs Fußballer verwundbar sind. Jedenfalls wenn der FSV in Bestbesetzung aufläuft. Doch das war das Problem: im Halbfinale gegen den Wiener SK flog Heinrich Schuchhardt, der Halbrechte, vom Platz. Bis kurz vor dem Finale hoffte der FSV auf seine Begnadigung, aber dem DFB stand danach nicht der Sinn. Dennoch flogen sie optimistisch in die Reichs-Hauptstadt. Präsident Dr. Würz, ein Amtsgerichtsrat, sagte im Geist der Zeit: „Wir sind überzeugt davon, dass wir mit Rapid Wien einen ritterlichen Gegner haben. Unsere schönste Hoffnung aber ist, dass das Spiel fußballerische Propaganda sein wird und dass es der Bessere gewinnt. Wir wünschen uns, dass wir an diesem Tage der Bessere sind.“ Außerdem hatten sie in Martin Eiling ja einen Trainer aus Österreich. Auch der machte in Zuversicht: „Wir gewinnen, weil wir gewinnen wollen. Der Boden ist gut für uns und unsere Mannschaft ist in Stimmung.“ Ganz Bornheim war im Berlin-Fieber.

Am 3. Januar 1939 stand im „Kicker“ unter der Zeile „Bornheim auf dem Kriegspfad“ diese Kurz-Notiz:
„Ein bekannter Bornheimer Apfelwein-Fußballwirt hat für seine Stammgäste – man höre und staune – ein ganzes Flugzeug der Lufthansa gemietet.“
Die Zahl der FSV-Schlachtenbummler ist nicht überliefert, von „Hunderten“ schrieb der Kicker, aber sie waren nicht zu überhören am Spieltag. Auch weil das Olympia-Stadion nur halbvoll war. Wegen der Schneemengen wurden die Oberränge nicht geräumt, so konnten nur 36.200 das große Spiel bei fürchterlichem Wetter – Eisregen, Wind – verfolgen. Der DFB wollte, dass die Mannschaften im selben Hotel („Russischer Hof“) wohnten, so lernte man sich schon vorher kennen, was die Atmosphäre entspannte.

Die Fach-Presse titulierte die Frankfurter als „Die Elf der Namenlosen“. Wir nennen ihre Namen trotzdem:
Hans Wolf (28/Kaufmann) im Tor; Willy May (27/Schlosser), Heinrich Schweinhardt (24/Werkzeugmacher) in der Abwehr; Arthur Böttgen (20/kaufm. Angestellter), Heinrich Dietsch (26/Elektriker), Fritz Fend (22/Soldat) im Mittelfeld; Hermann Armbruster (29/Bankbeamter/Kapitän), Daller Heldmann (28/Kaufmann), Franz Dosedzal (25/Kaufmann), Franz Faust (23/Soldat) und Heinrich Wörner (26/Bäcker) im Sturm. Unter den Augen der Fußball-Prominenz – außer von Tschammer sahen auch Reichstrainer Sepp Herberger und sein Vorgänger Dr. Otto Nerz dem beinahe irregulärem Treiben zu – entwickelte sich auf Schneeboden ein packendes Spiel. Der FSV begann ohne Scheu und bejubelte in der 17. Minute das 1:0 durch Dosedzals Kopfball. Es hätte das Tor des Tages sein können, doch nach 70 Minuten verletzte sich Verteidiger May nach einem Zusammenprall mit Schors. Mancher rief Foul, aber die Tat blieb für Rapid folgenlos. Für den FSV nicht; May schied aus, Auswechseln war verboten. Und so kippte das Spiel in der schon damals weltberühmten „Rapid-Viertelstunde“. Die Wiener waren berüchtigt für ihren Schluss-Spurt, in Überzahl fiel er sicher etwas leichter als sonst. Schors glich aus (80.), Hofstädter (85.) und Binder trafen auch noch und ersparten alle Beteiligten eine Verlängerung, was auch wegen der zunehmenden Härte ein Segen war. Dennoch lobte der Kicker: „Ein Endspiel von wirklichem Format“. Das Spiel hatte der FSV verloren, aber an Prestige gewonnen. Die Anerkennung kam von höchster Warte: Otto Nerz ließ Trainer Eiling ans Telefon rufen und gratulierte zur Leistung des FSV und Reichstrainer Sepp Herberger, im Gespräch mit den Wienern, rief plötzlich die jungen FSV-Spieler zu sich an den Tisch. Nominiert hat er nie einen von ihnen und so blieb das Pokalfinale 1938 das größte Spiel in der Karriere der „Bernemer Buwe“. (um)

Autor: Udo Muras | 08.01.2014

  Drucken


Newsletter Anmeldung






Nach dem Klick auf die Schaltfläche "eintragen" gelangst Du zu unserem An- und Abmelde-System. Hier erhältst Du weitere Informationen.




Sponsoren des FSV Frankfurt
© FSV Frankfurt 1899 Fußball GmbH    |ImpressumKontaktDatenschutz