Der 16. Februar 2011 wird vielen Fans des FC St. Pauli in Erinnerung bleiben: Durch ein Kopfballtor von Gerald Asamoah gewann der Kiez-Klub beim großen Hamburger SV. Es war der erste Derbysieg seit 1977. Mit dem Erfolg kletterte der Kultverein sogar auf Platz 11 der Tabelle. Der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz betrug satte neun Punkte. Es hätte in den letzten zwölf Spielen schon Einiges passieren müssen, damit der FC St. Pauli in größere Not gerät. Und es geschah: Dem 1:0-Derbysieg folgten elf Niederlagen und nur noch ein mageres Pünktchen. Trauriger Höhepunkt: Der Spielabbruch im Spiel gegen Schalke 04 nach einem Becherwurf auf Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner. Der Kiez-Klub stieg als Letzter aus der Bundesliga ab und spielt seit dieser Saison wieder 2. Bundesliga. Es ist die 20. Saison im Bundesliga-Unterhaus für den 1910 gegründeten Verein.
Nach der Gründung spielte Hamburg-St. Pauli TV, wie der Club damals hieß, in regionalen Bezirksklassen. 1919 gelang der Aufstieg in die höchste Spielklasse, die Norddeutsche Liga Hamburg/Altona. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs pendelte die Mannschaft zwischen höchster und zweithöchster Spielklasse hin und her.
1947 wurde das Team Hamburger Meister und gelangte im folgenden Jahr ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. In den 60er- und 70er-Jahren wurde der FC St. Pauli viermal Erster in der Regionalliga Nord und 1977 Meister der 2. Bundesliga, was den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga bedeutete. Trotz einiger Erfolge, wie dem 2:0-Derbysieg beim HSV, stieg der Verein als Letzter ab. Die Rückkehr gelang erst zur Saison 1988/89. Diesmal erkämpften sich die Spieler vom Millerntor den Klassenerhalt und standen am Ende der Saison auf einem beachtlichen 10. Platz. 1991 verließen die Braun-Weißen das Fußball-Oberhaus, nachdem sie in der Abstiegsrelegation den Stuttgarter Kickers unterlagen. 1995 gelang schließlich der dritte Aufstieg und durch einen 4:2-Sieg am ersten Spieltag über TSV 1860 München war die Mannschaft erstmalig Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Die Saison beendete St. Pauli auf dem 15. Platz. Ein Jahr später folgte der dritte Abstieg des Kultvereins.
Bei einem kurzen Intermezzo in der Saison 2001/2002 in der Bundesliga wurde der Begriff „Weltpokalsiegerbesieger“ geprägt. Das Team von Dietmar Demuth gewann als Tabellenletzter durch Tore von Nico Patschinski und Thomas Meggle mit 2:1 gegen Bayern München. Der deutsche Rekordmeister hatte einige Wochen zuvor den Weltpokal gewonnen, ehe sie am Millerntor überraschend verloren.
Danach brachen schlechtere Zeiten für den Kiez-Klub an: 2003 stieg das Team direkt weiter in die Regionalliga Nord ab, in welcher sich der Verein neu aufstellen musste. Dies gelang, weil viele Fans ihren FC St. Pauli unterstützten. Die Saison 2005/06 stand unter dem Slogan „Wir sind Pokal – Nächstes B bitte“. Nachdem Burghausen, Berlin und Bochum ausgeschaltet wurde, besiegte die Mannschaft von Andreas Bergmann Werder Bremen im Viertelfinale mit 3:1. Es folgte für den Regionalligisten das Halbfinale gegen den FC Bayern. Dieses B war allerdings eine Nummer zu groß. Zwar zeigten die „Paulianer“ einen großen Kampf, aber ein Doppelpack von Pizarro kurz vor Schluss besiegelte den 3:0-Erfolg des späteren Pokalsiegers über die Pokalüberraschung.
2007 kehrte der Verein in die 2. Bundesliga zurück und schaffte 2010 den fünften Aufstieg in die Bundesliga. Nach starken Leistungen, mit dem 1:0-Derbysieg beim HSV als Höhepunkt, folgte der Absturz. Das 1:8 am vorletzten Spieltag besiegelte endgültig den wiederholten Abstieg und war gleichzeitig die höchste Bundesliga-Heimniederlage in der Geschichte des FC St. Pauli.
In der aktuellen Spielzeit peilt der Verein, der viele Sympathisanten und Fans über die Stadtgrenzen hinaus hat, den sechsten Aufstieg an. Der bisherige Saisonverlauf stimmt positiv, dass es klappen könnte. Zuletzt strauchelte der Aufstiegsaspirant zwar etwas und verlor den Kontakt zum Spitzenduo Greuther Fürth und Eintracht Frankfurt, hat aber noch alle Chancen, einen der ersten drei Plätze zu erreichen.
Im Hinspiel gegen den FSV Frankfurt zitterten sich die Mannen von Andre Schubert zu einem knappen 2:1-Sieg. Nach einer 2:0-Führung verkürzte Marcel Gaus eine Viertelstunde vor Schluss. Bei einem Freistoß kurz vor Ende zeigte Philipp Tschauner sein ganzes Können und verhinderte einen Punktgewinn für die Schwarz-Blauen.